Es ist eine seltsame Zeit.
Ich zähle jeden Tag die guten Dinge.
Und weiß: es ist ein großes Privileg, dass ich es kann.
Ich gehöre zur Risikogruppe. Das schränkt mein Tun und Treiben seit Beginn der Pandemie massiv ein. Ohne die handfeste Unterstützung meiner Familie und Freund:innen könnte ich diese Zeit überhaupt nicht überstehen.
Mir geht das Musizieren live auf der Bühne ganz entsetzlich ab.
Natürlich mache ich weiterhin Musik, aber im stillen Kämmerlein fehlt der Widerhall der Herzen.

Letzte Woche erhielt ich einen Telefonanruf; ich wurde gebeten, ein paar Lieder bei der Vernissage einer Kunstausstellung mit Werken eines lieben, alten Freundes zu singen, in einem absolut risikogruppentauglichen Rahmen. Polykarp ist als Maler und als Mensch eine faszinierende Persönlichkeit. Ich kenne keinen anderen, der bei Kunst, Musik und Literatur eine derartig hohe Bildung mit einer ebenso umfassenden Begeisterung für die Sache vereint. Und außerdem einen herrlichen, trockenen Humor sein Eigen nennt.

Diese Vernissage feierte die Kunst als lebensnotwendige, lebensverändernde Kraft.
Und die Resonanz, auf Polykarps Bilder wie auf meine Lieder, zeigte mir, dass der Widerhall der Herzen in dieser schwierigen Zeit noch stärker geworden ist. Dass Menschen spüren, wie stärkend, belebend und bewegend die Kraft ist, die hinter allem steht, was wir Menschen auf die Leinwand oder zu Papier bringen, in Töne fassen, in Bewegung und Worte gießen …

Das macht mir Mut, auch für die Zeit nach der Pandemie, die hoffentlich bald beginnt.

Die Kraft der Kunst